Rumänien, der Ort meiner Kindheit und Jugend

Dies ist mein Beitrag zu der Blogparade von Sandra Wickert von Tracksandthecity, #meineroots. Liebe Sandra, das Thema ist wirklich schön, danke für diese Vorlage.

Rumänien liegt nah, ist bisher aber weitgehend noch unbekannt und vom Massentourismus verschont geblieben

So nah aber trotzdem fern und vom Massentourismus noch unberührt liegt mein Heimatland Rumänien. Keine zwei Flugstunden entfernt findet man sich fast in einer anderen Welt wieder. Und doch auch nicht. In den Städten leben viele junge Menschen, die genauso aussehen und mit den Nasen in ihren Smartphones herum laufen, wie überall auf der Welt. Es gibt (zu) viele Autos tolle Hotels, gute Restaurants, Bars, Kneipen und Malls, neuerdings auch viele Festivals. Gleichzeitig findet man in Rumänien tolle mittelalterliche Bauten und Gebäude, Schlösser und Burgen. Wenn man allerdings die Städte verlässt, kommt man in Dörfer, wo die Menschen wie vor Jahrhunderten leben und arbeiten. Oder in Dörfer, die fast verlassen sind und geisterhaft vor sich hin verfallen. Die Alten sind gestorben, die Jungen sind in die Stadt gezogen.

Wenn man wirklich ins Abenteuer will, gibt es auch noch herrliche bewaldete Berge, die Karpaten, wo mehrere tausend Braunbären leben und wo man wunderbar wandern kann. Ich habe übrigens noch nie einen Bären in Rumänien getroffen, obwohl ich viele Kilometer durch meine Transsylvanischen Berge gewandert bin.

Märchenhafte Stimmung

Dann gibt es noch das Donaudelta, wo einzigartige Tiere und Pflanzen beheimatet sind. Es gibt auch die Klöster in Moldawien, deren Fresken mit Farben gemalt sind, die sonst nirgends auf der Welt zu sehen sind, tiefe dunkle Seen und grüne Wälder. Und vor allem unglaublich nette und gastfreundliche Menschen.

Meine rumänische Heimatstadt Cluj-Napoca hat es völlig zu Recht beim Reisereporter auf die Liste der Top Places 2018 geschafft
Nationaltheater Cluj

Cluj-Napoca ist nach rumänischen Verhältnissen eine Großstadt, die zweitgrößte Stadt Rumäniens, aber klein genug, um alles zu Fuß zu erkunden. In der Universitätsstadt leben viele junge Menschen (und ich habe die Beobachtung gemacht, dass bei jedem meiner Besuche die Einwohner jünger und jünger werden…).

Ich habe in Cluj-Napoca meine Kindheit und Jugend verbracht und war überzeugt, jede Straße in- und auswendig zu kennen. Hier, an dieser Ecke habe ich verliebt auf meinen damaligen Schwarm gewartet (der dann nicht kam). Dort, vor der Universität, habe ich mit klopfendem Herzen auf die Ergebnisse meiner Aufnahmeprüfung geschaut und bin vor Freude durch den nahegelegenen Park gehüpft, weil ich es geschafft hatte.

In der Stadt gibt es eine Konditorei, wo ich die besten Kuchen der Welt gegessen habe. Erfreulicherweise gibt es diese immer noch. Bei jedem Besuch nehme ich zehntausende von Kalorien in Form von Fett und Zucker zu mir und verspüre nicht die geringste Reue. Ein paar Straßen weiter steht noch die Schule, wo ich jahrelang Tag für Tag viele Stunden verbracht habe, Erfolge gefeiert (in Mathe und Sprachen) und kläglich gescheitert bin (in Handarbeit und Sport). Dort habe ich Freundschaften geschlossen und war einsam, habe gelacht, geweint, mich glücklich und unendlich traurig gefühlt, so wie es sich für die Teenagerjahre gehört.

An einem schönen Vormittag vor zwei Jahren habe ich mich in meiner Heimatstadt verirrt. Dort, wo vor wenigen Jahren nur Felder und Hügel standen, stehen heute ganze Stadtteile. Es war immer noch meine Stadt, ich verstand die Sprache und Google Maps zeigte, dass ich mich gar nicht so weit weg vom Haus meiner Eltern befand. Es war, als ob ich durch eine Pforte in eine andere Welt, oder besser gesagt, in eine andere Zeit geschritten wäre. Ich wanderte auf Straßen, die wenige Jahre zuvor nicht existiert hatten, entlang an Gebäuden, die seit sehr kurzer Zeit standen und wovon viele sich noch im Bau befanden.

Es gibt aber auch Orte in meiner Heimatstadt, die man lieber verdrängen und vergessen möchte

Am Rande der Stadt, auf der städtischen Müllhalde leben zahlreiche Familien, zum Teil in der dritten Generation. Es ist ein Ort, den man in Städten wie Manila oder Delhi vermutet, allgemein unter dem Namen “Slum” bekannt. Die Menschen hier haben zum Teil keine Papiere und somit existieren sie für die eh dürftigen Sozialsysteme in Rumänien nicht. Der Rest der rumänischen Gesellschaft würde solche Orte am liebsten vergessen und verdrängen.

2014, an einem kalten Samstagmorgen im Herbst, habe ich mit einer sozialen Organisation diesen Ort besucht. Wir sind in Gummistiefeln bis zu den Knien durch Schlamm gewatet, hin zu unbeschreiblichen Bretterbuden, um Kinder einzusammeln und mit zu nehmen, in einen kleinen warmen Raum, in dem wir für sie ein Frühstück vorbereitet hatten. Ein Mädchen von etwa 12 Jahren bat uns, kurz zu warten, sie wollte ihren Bruder auch mitnehmen. Dann kam sie aus einer Bretterbude und schob einen kleinen Rollstuhl, in dem ein kleiner Junge von etwa sieben Jahren saß. Er redete viel, war leicht bekleidet und trug trotz des kalten Wetters bloß Socken. Ich fragte nach seinen Schuhen, aber die Schwester zuckte mit den Schultern und sagte, das brauche er ja nicht, er könne ja doch nicht gehen. Ich habe keine Bilder von dem Ort und den Menschen dort, es schien mir einfach nicht richtig, welche zu machen. Es gibt allerdings hier einen lesenswerten Artikel darüber.

Das urbane Rumänien ändert sich mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit

Ich wohne seit 1996 nicht mehr in Rumänien und die ersten Jahre habe ich mein Land gar nicht besuchen wollen. Mir war alles zu eng und klein, ich wollte mich weiterentwickeln und Abstand gewinnen. Als der Abstand dann groß genug wurde, bin ich wieder hingefahren. Ich fahre etwa alle zwei Jahre nach Rumänien, wobei es mich nicht immer in meine Heimatstadt zieht. Beruflich bin ich mehrmals nach Sibiu (Hermannstadt) und Bukarest geflogen und jeder Besuch war für mich eine gute Überraschung. Sibiu war 2007 europäische Kulturhauptstadt und hat als erste rumänische Stadt den Status einer modernen Stadt erreicht. Die Häuser mit Augen, die Lügenbrücke und viele andere Sehenswürdigkeiten machen diese Stadt zu etwas Besonderem (wer Lust hat, Sibiu und andere schöne Orte in Rumänien live zu sehen, hier ist meine Reise in 2019 dahin).W

Nicht meine Heimatsstadt, aber sehr sehenswert: Sibiu alias Hermannstadt

Dann kam vor etwa zwei Jahren der Moment, wo ich es einsehen musste: Rumänien ist weder eng noch klein, sondern jung, innovativ und unerschrocken. Dort, wo es im Vorjahr einen Lebensmittelladen gab, steht nun ein Friseursalon. Vor zwei Jahren gab es genau dort eine private Zahnarztpraxis. Die Menschen versuchen, etwas auf die Beine zu stellen, scheitern vielleicht, stehen auf und versuchen es erneut. Unternehmer*in zu sein war in Rumänien jahrzehntelang nicht möglich, aber jetzt ist es völlig normal. Es gibt aber auch größere Investitionen, wie zum Beispiel einen Ort am Rande Cluj-Napocas, wo man reiten, Mountainbikes mieten, essen, übernachten, entspannen, mit dem Heißluftballon fliegen, Tennis oder Karten spielen, in der Kapelle beten oder heiraten und dabei seine Kinder in der als Schloss gestalteten Kindertagesstätte betreuen lassen kann. Es sind Orte wie diese, die in Deutschland gar nicht denkbar wären, aus so vielen Gründen, dass ich gar nicht anfangen will, sie hier aufzuzählen.

Ich stand also dort im Wonderland (der Ort heißt tatsächlich so) am Start der Rodelbahn (das gibt es dort auch) und schaute auf meine Heimatstadt. In dem Moment habe ich zum ersten Mal verstanden, dass Rumänien nicht nur wirtschaftlich aufgeholt hat, sondern dass es ein tolles Land ist, wo es sich zu leben lohnt. Wäre ich nicht ausgewandert, wäre mein Leben zwar ein anderes, aber nicht unbedingt schlechter.

Was kann man als Tourist*in Cluj-Napoca machen?

Hier eine rein subjektive Auswahl der Aktivitäten, die ich gerne empfehlen würde, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Das historische Zentrum Cluj
  1. Das historische Zentrum besuchen: eine Menge Sehenswürdigkeiten auf kleinem Raum versammelt, von römischen Ausgrabungsstätten bis zu mittelalterlichen Mauern, Palästen und Kirchen aus dem 13. bis 21. Jahrhundert.
  2. Durch den botanischen Garten spazieren: am schönsten im Frühjahr oder Sommer, wenn alles blüht. Aber auch zu anderen Jahreszeiten lohnt es sich, diese Oase der Ruhe mitten in der Stadt zu besuchen.
  3. Das Freiluftmuseum anschauen: ich war schon immer sehr von Freiluftmuseen begeistert, sodass ich auf meinen Reisen einige gesehen habe. Das Museum in Cluj ist aber besonders. Nicht nur, dass es eines der Ältesten Freiluftmuseen der Welt ist (es existiert seit 1929), sondern es ist klein, schön gelegen und auf unerklärliche Weise sehr wenig besucht.
  4. Laut Wikipedia gilt das Waldgebiet Hoia-Baciu offiziell als Erholungs- und Wandergebiet. Viele behaupten allerdings, dass hier einige paranormale Phänomene beobachtet worden seien. Ich persönlich bin der Meinung, dass man sich selber umschauen und überzeugen sollte, was dort passiert! Am besten bei Nacht.
  5. Es gibt viele Parks und Grünanlagen, die zum Spazieren und Verweilen einladen, wie zum Beispiel Parcul Central oder Parcul Cetatuie auf einem Hügel mit wunderschönem Panoramablick über die Stadt.
  6. Die Umgebungen besuchen, zum Beispiel Cheile Turzii (Thorenburger Schlucht). Die etwa zwei Kilometer lange Schlucht wird vom Hasdate-Bach durchflossen, der sich hier in den Kalkstein eingegraben hat und somit den Höhenrücken des Trascau-Gebirges durchbricht. Beiderseits wird die Klamm von etwa 300 Meter hohen Steilwänden begrenzt. Ebenfalls in der Umgebung befindet sich das Salzbergwerk (Salina) Turda.
Das Freiluftmuseum in Cluj

Das kulinarische Angebot in Rumänien allgemein und speziell in Cluj verdient einen Blogartikel für sich. Deswegen hier nur so viel: auch wenn die rumänische Küche grundsätzlich deftig und sehr fleischlastig ist, kann man in Cluj-Napoca, wie in ganz Rumänien, wunderbar vegan essen, wenn man weiß, wie. Der Geheimtipp ist: man muss lediglich nach Fastenessen fragen. Wenn man allerdings die vermutlich besten und kalorienreichsten Kuchen der Welt genießen möchte, besucht man die Konditorei (Cofetaria) Carpati genau im Zentrum.

Alles in allem ist Cluj-Napoca eine tolle Stadt, die sich in den letzten Jahren unglaublich entwickelt hat und wo es mir Spaß macht, für einen Besuch zurückzukehren. Auch wenn die Menschen darin immer jünger werden und manche Straßenzüge einfach wie aus dem Nichts und über Nacht erscheinen.

12 Fakten über mich, die etwas mit meiner Reisetätigkeit zu tun haben

Das ist mein Beitrag zur Blogparade von Birgit Schultz, Marketing-Zauber – ich freue mich sehr, dass ich mitmachen darf.

1 Ich habe Auto fahren gelernt, bevor ich Fahrrad fahren konnte. Den Führerschein habe ich mit 23 Jahren bestanden, als ich Rad fahren gelernt habe, war ich 27 1/2. Wie kommt das? Ich bin in Osteuropa geboren und aufgewachsen und bei uns hatte damals nicht jedes Kind ein Rad, und bei mir hat es sich einfach nicht ergeben. Allerdings fahre ich seitdem über 3.000 Kilometer im Jahr mit dem Rad (und deutlich weniger bis gar keine mit dem Auto), und das fast nur durch die Stadt (zur Arbeit und zurück, für diverse Besorgungen). Ich liebe es einfach, Wind, Sonne, manchmal Regen zu spüren, unabhängig sein. Und günstig ist das zudem auch.

2 Bislang bin ich vier Fernwanderwege gegangen (drei davon in Deutschland und einen in Nordengland) und einen Radwanderweg gefahren. Seit meinem ersten Fernwanderweg kann ich unglaublich gut und sparsam packen. Ich reise mit dem kleinsten Koffer oder einer kleinen Tasche, und bislang hat mir nie etwas gefehlt.

3 Ich habe vier Studienabschlüsse (einen im Ausland und drei in Deutschland) die alle etwas mit Wirtschaft oder Management zu tun haben. Einige davon habe ich parallel gemacht und neben dem Job und Kind. Was das mit meiner Reisetätigkeit zu tun hat? Dabei habe ich gelernt, alles termingerecht und zuverlässig zu organisieren. Auch bei komplizierten Reisen hilft es sehr, alle wichtigen Details im Griff zu haben.

4 Meine erwachsene Tochter ist fast so reiseverrückt wie ich und außerdem eine erfolgreiche Instagrammerin mit über sechzigtausend Followern.

5 Ich liebe, kreativ zu kochen und zwar simpel und vegetarisch (meist vegan, auch zu Weihnachten). Dabei versuche ich, das zu benutzen, was gerade verfügbar ist. Das hilft auf Reisen in Ländern, wo die Preise für Essen in Lokalen, sagen wir mal, sehr ‘gut gewürzt’ sind (wie zum Beispiel in Skandinavien).

6 Seit 2006 engagiere ich mich ehrenamtlich und seit 2016 bin ich freiwillige Helferin beim THW. Bislang bin ich Mitglied der Beleuchtungsgruppe aber ich möchte mich ab 2019 in die Küche transferieren lassen. Das klingt wie ein Klischee, ist aber genauso wichtig wie die anderen Tätigkeiten im THW, wenn nicht sogar wichtiger (weil die Kollegen und Kolleginnen im Einsatz natürlich auch eine gute Verpflegung brauchen). Toll finde ich immer die jährliche Erste-Hilfe-Ausbildung.

Nachtrag am 14. Januar 2019: ob in der Beleuchtungsgruppe oder Koch/Köchin, wenn es notwendig ist, schippen wir auch tonnenweise Schnee, so wie heute in der Süddeutschen Zeitung berichtet. Das waren wir 🙂

7 Auch seit 2016 praktiziere ich leidenschaftlich Taekwondo. Es gibt den Spruch, dass jede und jeder irgendwann etwas in Taekwondo besonders gut kann. Manche sind  sehr gut beim Formlaufen (Hyong), andere kämpfen gut, einige sind besonders schnell, besonders elegant und präzise, oder stark beim Bruchtest. Ich habe mein besonderes Talent noch nicht gefunden, bin immer noch auf der Suche…. Was aber Tatsache ist: ich bin zäh. Das heißt, ich bin beharrlich und lasse mich nicht unterkriegen, egal wie schwierig es wird. Damit habe ich es bis zum blau-roten Gurt gebracht! Eines Tages werde ich auch meinen schwarzen Gurt bekommen, egal wie lange es dauert, wie viele Liter Schweiß (und manche Tränen) noch fließen werden und wie viele blaue Flecken es noch geben wird.

8 Ich habe eine blühende Fantasie und schreibe sehr gerne, obwohl ich nach Jahrzehnten in  Deutschland immer noch jemanden brauche, die meine Beiträge Korrektur liest (Danke an dieser Stelle an alle guten Seelen, die ich damit quäle). Ich kann über alles schreiben, brauche oft nur ein Stichwort (hier eine Geschichte, die ich nach dem Stichwort „Liebesmärchen“ geschrieben habe. Barbara Messers Schreibworkshop war wunderbar!).

9 Da ich in einer Diktatur groß geworden bin, steht Freiheit auf meiner Werteliste ganz oben. Zum Beispiel kann ich mich nicht unterwürfig verhalten und ich sage immer meine Meinung, auch wenn diese nicht gefällig ist. Wer es aber damit aushält, wird an mir schätzen, dass ich auch immer das mache, was ich sage, so dass man sich auf mich bedingungslos verlassen kann.

10 Ich habe Urlaub an sehr exotischen Orten gemacht: zum Beispiel in Brandenburg oder auf der Schwäbischen Alb. Ich bin auch durchs Saarland gewandert. Außerhalb Europas war ich nur ein Mal (beruflich in Ghana) und werde vermutlich auf Fernreisen gehen, sobald ich alles in Europa gesehen und erlebt habe, so in etwa hundert Jahren. Das wird dann auch sehr nachhaltig möglich sein, da wir uns dann alle hin und her beamen können. Spaß beiseite: ich bin gut darin, das Besondere an einem Ort zu finden, auch wenn das nicht unbedingt in jedem Reiseführer steht.

11 Ich liebe Nordeuropa sehr und insbesondere Norwegen. Die Natur, die Gelassenheit der Menschen, die Sprache, die ich gerade lerne, die besten Erdbeeren der Welt (ach, des Universums), der Lakritz der Marke Kick, die Mitternachtssonne, die Polarnacht, der braune Käse (Brunost), auch den Regen finde ich dort schön und noch tausend andere Sachen. Schweden und England sind allerdings auch wunderbare Länder. Und auf das magische Island, wo ich 2019 meine erste Reise führen werde, freue ich mich immens.

Island ist atemberaubend. Foto: Peter Cywka

12 Ich träume davon, so oft wie möglich in Skandinavien zu sein und vielleicht eines Tages sogar dorthin auszuwandern. Eine fast einsame Insel im Atlantik mit einem Leuchtturm wäre schön. Dort könnte ich im Sommer ein kleines Gästehaus mit vegetarischer Küche führen, Wanderungen anbieten und im langen dunklen Winter ein Buch schreiben. Die interessante Frage dabei ist, ob mein Mann auf meine Insel mitkommen will, oder ob er lieber auf die einsame Insel nebenan will (oder muss…). Darüber werden wir uns aber Gedanken machen, wenn es soweit ist.

Drei Tage Stockholm

Ich gebe zu, die ganze Idee mit Schweden war ursprünglich aus der Not geboren. Ich kann mir Norwegen nicht zwei Mal im Jahr leisten und schon gar nicht erst, nachdem ich meinen Job gekündigt habe. Schweden ist das Nachbarland  des schönsten Landes der Welt und wird sich von Norwegen nicht groß unterscheiden (dachte ich). So in etwa wie Deutschland und Österreich (ich weiß, ich muss mich bücken, um den Sachen aus dem Weg zu gehen, die nach mir geworfen werden. Zu Recht…).
 
Wir fliegen um 16 Uhr über Stockholm und es ist stockfinster. Die Stadt auf 14 Inseln ist hell beleuchtet und von oben sieht man schon, sie ist eine Nummer größer als Oslo. Der Schnellzug vom Flughafen ist allerdings vergleichbar schnell: 20 Minuten braucht er für die etwa 40 Kilometer vom Flughafen in die Stadt (man kann übrigens online die Karten für den Arlanda Express deutlich günstiger kaufen, wenn man zu zweit reist).
Unser Hotel im Södermalm liegt auf einem im Hafen fest verankerten Boot.
 
 
 
 
Die Koje ist winzig, mein Partner und ich müssen uns absprechen, wer sich wann umziehen darf. Dafür ist es günstig und hat eine tolle Atmosphäre. Wir sitzen Abends in der Hauptkabine, die zu einer Bar umfunktioniert wurde, schlürfen Julöl (Weihnachtsbier) und ich muss zugeben, die Stadt die sich “Hauptstadt Skandinaviens” nennt, ist toll. Ich wage zu behaupten, dass Stockholm etwas hat, was ich in Oslo nicht so wahrgenommen habe: Stil. Das kann man auch in den vielen Einkaufsstraßen und Einkaufszentren sehen.
Das Opernhaus strahlt lila, rot, gelb oder blau.
 
 
 
 
Stockholm ist auch eine entspannte skandinavische Stadt. Bis auf eine Ausnahme: man darf niemals nie in einer großen Bücherei rein gehen, die sonst auch Bücher auf Englisch und sogar Deutsch hat, und nach einem Buch auf Norwegisch fragen. Der Verkäufer erinnert höflich, dass wir hier in Stockholm sind, und das liege in Schweden. Das wüsste ich, antworte ich. Der Satz klingt auf Schwedisch und Norwegisch gleich,  bilde ich mir ein. Die lange Antwort, die folgt, verstehe ich zum Großteil auch, aber habe den Eindruck, dass es nur der skandinavischen Höflichkeit geschuldet ist, dass mir der Verkäufer nicht mit dem nackten Hintern ins Gesicht springt.
 
Nun aber was tun in Stockholm Mitten im Winter? Folgende Sachen sind (fast) kostenlos und ziemlich beeindruckend:
 
1. Ein Spaziergang durch das festlich geschmückte Gamla Stan, die Altstadt, am besten nach Ladenschluss. Sonst ist die Gefahr zu groß, doch in den Chokladfabriken zuzuschlagen. U-Bahn blaue Linie, Haltestelle Gamla Stan.
 
 
 
 
2. Mit der Fähre zur Museuminsel. Mit der normalen Bus- und Bahnfahrkarte kann man auch mit der Fähre fahren. Achtung: Google Maps ist nicht ganz up-to-date bezüglich der Haltestellen. Besser fragen oder zumindest nochmals schauen, bevor man auf der falschen Insel aussteigt. Von Slussen Kajen die Fähre 53, am Allmäna Gränd aussteigen.
 
 
 
 
3. Alternativ kann man mit der alten Cafe-Trambahn fahren: kostet auch nur die Fahrkarte, es sei denn, man bestellt Kaffee oder Glögg. Ab Nybroplan.
 
 
 
 
4. In der Stadtbibliothek eine Runde drehen (im wahrsten Sinne des Wortes). Die Bibliothek ist rund und schön und für jedermann und jedefrau kostenlos often. U-Bahn Station Odenplan.
 
 
5. Schlittschuhlaufen in Kungstradgardenpark, live Musik inklusive. Auch das ist kostenlos, nur die Schlittschuhe muss man ausleihen.
 
 
 
 
6. Das Mittelmeermuseum mit Exponaten aus dem antiken Mittelmeerraum sowie das Mittelaltermuseum sind kostenlos und beide richtig interessant. Das Café im 1. Stock des Mittelmeermuseums ist sehr hübsch. Zu erreichen vom Hauptbahnhof zu Fuß in etwa 10 -15 Minuten.
 
 
 
7. “Schaufenster Shopping” auf dem roten Teppich auf dem Bibliotheksgatan, teure Geschäfte und im Dezember eine tolle Weihnachtsstimmung inklusive. Ubahnstation Odenplan.
 
 
 
 
8. Wenn es schon richtiges Shopping sein soll, lieber auf die Götgatan in Södermalm. U-Bahn Haltestelle Slussen, dann auf Götgatan gehen. Egal, in welche Richtung. Etwas, das gekauft werden will, findet sich schnell…
 
9. Die Östermalm Markthallen sind toll anzuschauen und es gibt viel Auswahl an Essen, zumindest wenn man Fleisch oder Fisch mag und auch über ein etwas höheres Budget verfügt. Bei mir ist das nicht der Fall. Ich hole mir daher ein Brownie bestehend zu 99% aus Zucker und Fett bei 7 Eleven um die Ecke. Danach brauche ich 3 Tage nichts mehr Essen (ich tue das trotzdem, aber das ist eine andere Geschichte).
 
10. Nicht kostenlos ist ein Besuch in das älteste Freilichtmuseum der Welt, Skånsen. Das ist es aber definitiv Wert. Vor allem der Weihnachtsmarkt mit schwedischen Weihnachtsliedern, auf die die Menschen tanzen,  ist einfach toll. Es gibt zahme Wölfe und auch Rentiere zu sehen (etwas unmotiviert kurz vor Weihnachten) und viele Häuser, in denen man alte skandinavische Weihnachtstraditionen erleben kann. Djugårdslätten, mit Fähre oder Tram zu erreichen.
 
 
 
11. Das Fotografiemuseum Fotografiska ist einfach wunderbar. Eine zauberhafte Ausstellung namens “Wonderland” und eine sehr berührende Dauerausstellung sind den Preis wert.
 
 
 
Was man auch noch in Stockholm machen kann, aber nicht muss, meiner Meinung nach:
 
12. Den Palast (Kungliga Slotten) besuchen: die schwedischen Royals sind sympatisch und der Palast ist echt schön. Die Menschendichte und der Preis sind allerdings etwas hoch.
 
 
 
13. Das Abba Museum: schön gemacht und die Musik macht Laune, aber eher etwas für Fans. Auch das ist relativ teuer und am Wochenende sehr voll. Djugårdslätten, mit der Fähre oder Tram zu erreichen.
 
Was ich diesmal nicht gemacht habe, ich will ja noch etwas auf meiner Stockholm Bucket-Liste übrig haben:
 
14. Die Millennium Stadttour- auf den Spuren von Michael Blomquist und Lisbeth Salander. Online über die Seite des Stadtmuseums zu buchen.
 
15. Ausgehen in Södermalm oder auf dem Nachbarsboot, Patricia’s. Beide sind auch im Reiseführer hoch gelobt, aber für dieses Mal ist es einfach nicht mehr drin.
 
Bald geht es per Nachtzug weiter nach Norden, in die fast ewige Dunkelheit. Und hoffentlich auch zu den Nordlichtern.
 

Jenseits der Angst kann man fast den Himmel berühren

Vor ziemlich genau 3 Monaten stand ich auf einem der spektakulärsten Aussichtspunkte Norwegens: Kjerag, den eingeklemmten Stein, Tausend Meter über dem türkisblauen Lysefjord. Alle, die mein Foto dort gesehen haben, finden es stark. Das ist richtig, aber die Wahrheit ist gar nicht so simpel. Auf diesem Stein zu gehen und dort zu stehen ist gar nicht so schwierig, wenn man es bis dorthin geschafft hat (zumindest, wenn man keine Höhenangst hat). Wahre Stärke braucht es, um dorthin zu kommen. Es gibt keine Seilbahn nach Kjerag. Die Wanderung dauert fünf Stunden und es geht zuerst steil nach oben. Und dann steil und rutschig nach unten. Und dann wieder steil nach oben und wieder steil nach unten. Und wieder nach oben. Nach einer Weile auf dem Hochplateau auf dem Fjord kommt man an eine enge Stelle, an der auch an einem heißen Sommertag noch Schnee liegt und es ist ziemlich rutschig. Wenn diese Stelle auch bewältigt ist, steht man am Rande der Welt und muss nur noch die letzten Schritte auf den Stein gehen. Auf dem Stein zu stehen ist wunderschön aber nicht mehr das Wesentliche (wenn auch die meisten Außenstehenden nur das sehen).

Was hat diese Wanderung mit der Gründung eines Unternehmens zu tun?

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Am Caldonazzosee

Es gibt diese Orte, wo einfach alles so ist, wie man es sich vorstellt. Ein kleiner Ort in Norditalien (im Valsugana), mit alten Häusern, vielen Blumen, einer Pizzeria und einem Albergo (Gasthaus), drum herum grüne Hügel, Apfelbäume und Berge.

Noch dazu liegt Caldonazzo an dem schönen Caldonazzo See, nicht so groß wie der Gardasee und bei weitem nicht so touristisch, dafür umso schöner. Caldonazzo kann  man mit dem Zug erreichen und hier in einem kleinem Gasthaus übernachten, oder sogar in den Unterkünften einer sozialen Organisation -in der im Sommer viele Kinder ihre Ferien verbringen, im Frühjahr und Herbst kann man hier eine Ferienwohnung  mieten und das Geld kommt dem sozialen Zweck zu gute. Die Pizzeria in Ort serviert auch eine vegane Pizza (Marinara) und auf Wunsch Thunfischsalat ohne Thunfisch. Im Unterschied zum Gardasee, wo die Hauptsprache Deutsch ist, spricht man hier italienisch und zwar ein sehr schönes, für mich verständliches.

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