Der Troll

„Als Gott die Welt machte, fing er mit Skandinavien an. Und als er Norwegen schuf, hat er sich viel Zeit gelassen. Er hat sich mit den grünen Bergen und das tiefe, blaue Wasser, sehr viel Mühe gegeben. Alles hat er an seinen Platz gesetzt, so wie es besser nicht sein konnte. Und großen Reichtum, die Ölfelder unter der Nordsee, schuf er auch. Und dann stellte er mit einem Schrecken fest, dass es schon Samstagmittag war, und er noch den Rest der Welt schaffen musste, und machte sich schnell dran.“ (so in etwa beim Jo Nesbo gelesen).

An den Hängen am Geiranger Fjord stehen noch einige verlassene Bauernhöfe, teilweise in atemberaubenden Höhen. Die Höfe liegen auf Klippen und sind nur über Wasser und steile Treppen zu erreichen. Die letzten wurden in den 70-er Jahren des vorigen Jahrhunderts verlassen.

Auf einem solchen Bauernhof am Geiranger Hang lebte ein Bauer mit seiner Familie. Die Winter dort waren hart und lang, die Sommer kurz und regnerisch. Das Leben dort war karg und mühselig. Der Bauer hatte wenige Ziegen und lebte dort von der Hand im Mund. Die große Tochter Kari musste von klein auf hart arbeiten, von früh bis spät. Sie war ein schönes, kräftiges Mädchen und konnte gut zupacken. Sie hatte viele Geschwister, und alles war knapp. Eines Tages am Anfang des Herbstes, auf der Suche nach Feuerholz, traf sie im Wald einen Troll. Er war grün, und voller Warzen, und roch auch nicht allzu gut.

„Hallo schönes Mädchen“, sagte der Troll mit einer süßen Stimme. Kari wollte nicht mit ihm reden, aber sie war gut erzogen und daher grüßte sie zurück.

„Hallo du hässlicher Troll“, sagte sie. „Sag mal, was tust du hier?“ fragte er. „Feuerholz sammeln. Der Winter ist fast da, der Fjord ist gefroren und meine Eltern und Geschwister sollten eine warme Feuerstelle haben“. „Du arbeitest aber ganz hart für so ein junges Ding. Hast du nie überlegt, weg von hier zu kommen und ein schöneres Leben zu haben?“ „Ich lebe schon mein ganzes Leben hier“, sagte Kari zögernd. „Und wenn ich dir etwas vorschlagen dürfte?“, fragte der Troll. „Wenn du mich heiratest und mit mir in meine Welt kommst, werde ich dafür sorgen, dass du es immer warm hast, und schöne Kleider. Und auch dass deiner Familie nie das Feuerholz oder sonst etwas, was sie brauchen, ausgeht.“ „Und wenn nicht?“, fragte sie. „Dann bleiben du und deine Leute für immer arm und den Winden und Stürmen ausgeliefert“.

Kari zögerte sehr, da der Troll nicht wirklich schön war. Und wie gesagt, ganz gut roch er auch nicht. „Ich weiß nicht… kannst du auch machen, dass nicht nur meiner Familie, sondern auch den Leuten im ganzen Land nie das Feuer ausgeht?“ Der Troll lachte vergnügt. „Das ist auch nicht so schwer“ sagte er. „Das kannst du haben!“

Und so kam, dass die schöne Kari den braungrünen Troll heiratete und mit ihm davon zog. Als die Hochzeitsnacht näher rückte, wurde ihre Stimmung mehr und mehr betrübt, aber sie stand zu ihrem Wort. Aber zuerst sollte der Troll Wort halten. Und tatsächlich stellte sich heraus, dass der Holzvorrat der Familie nie zu Ende ging. „Aber was ist mit den anderen Leuten im Land?“, fragte sie. Der Troll schluckte, weil er das alles zwar versprochen hatte, aber es doch nicht so einfach war, wie er dachte. Aber dann fasste er sich ein Herz und tauchte viele Tausende von Meter in die Nordsee. Er hielt den Atem ganz lange an, und war lange Zeit dort unten. Und als er raus kam, waren die grüne Farbe und die Warzen von ihm weg gewaschen und er roch gar nicht mehr so schlecht und ein schönes fröhliches Lächeln hatte er auch noch. „So, fertig“, sagte er. Und Kari freute sich, ihn zu sehen, sie hatte ihn ja wirklich vermisst, und sie fand ihn auch nicht mehr so schlecht, sodass sie nun gerne mit ihm zusammen war. Aus ihm wurde ein ganz ordentlicher Ehemann. Außerdem hängte er für die Kindeserziehung seinen Job zeitweise an den Nagel, so wie es sich in Skandinavien gehört.

So kam es dazu, dass als das Feuerholz am Geiranger zu Ende ging und der Bauernhof in den 70-er Jahre   verlassen wurde, die ganzen Ölvorkommen in der Nordsee vor Norwegen entdeckt wurden, sodass Karis Nachkommen und Landsleute sich viele Jahre keine Sorgen über das Feuer mehr machen werden müssen.

Nachtrag 1:

Es gibt sicher viele schöne Orte auf der Welt, aber ich habe noch nie bisher etwas Schöneres als Norwegen gesehen. Blaue Fjorde, hellgrüne Berge, Wasserfälle, die fast dem Himmel entspringen, das klare Licht. Aber mit dem Essen bin ich nicht allzu glücklich geworden, vegetarisch oder sogar vegan gibt es nicht viel Auswahl. Oder ich habe bisher nicht an richtigen Ort gesucht. Wunderbar fand ich allerdings die Waffeln mit Erdbeermarmelade. Es gibt einige tolle Rezepte für vegane Waffeln im Netz (hier ein einfaches von Utopia). Sobald ich ein Waffeleisen auftreiben kann, mache ich sie auch 😋.

Nachtrag 2:

Eine weitere lesenswerte Geschichte über Trolle gibt es bei mycuppatea.de zu lesen.

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