Die Mangfallhexe

Im schönen Mangfalltal, unterhalb Valley, nahe dem Mangfall Knie, lebte so um 1882 eine junge Hexe mit dunklen Haaren. Sie hatte ein kleines Häuschen außerhalb des Dorfes und lebte alleine mit ihrer Katze, ihrem Hund und anderen Tieren, sonst brauchte sie keine Menschenseele. In ihrem Garten baute sie Gemüse an. Sie war fleißig, hübsch und unverheiratet und dass sie eine Hexe war, stand ihr auch nicht auf der Stirn geschrieben. Daher hatte sie immer wieder Besuch von den heiratswilligen jungen Männern aus dem Dorf. Vor allem des Müllers Sohn aus Grub hatte es auf sie abgesehen und wollte sie unbedingt zur Frau nehmen.

Sie wollte aber weiterhin ihr Leben so leben, wie sie es gerne lebte und nur den Jahreszeiten Rechenschaft ablegen, sonst niemandem und  daher wollte sie auch nicht heiraten. Das war aber unerhört damals in Bayern (und böse Zungen sagen, heute ist es auch nicht allzu anders ist), daher beschloss die Dorfgemeinschaft sie dazu zu überreden und sonst, wenn es auch nicht anders ginge, sie in die Mangfall zu werfen. „Wo kämen wir hin, wenn Frauen nicht mehr heiraten wollen? Wer soll auf uns warten und die Kinder hüten, während wir in die Welt ziehen?“ sagte ein Mühlenbesitzer zu den anderen älteren Männern aus dem Dorf. „Das können wir so nicht zulassen!“ entschieden sie und machten sich auf den Weg zum Häuschen der Hexe.

„Gegrüßt seid ihr!“ sagte die Hexe. „Was für ein Anliegen treibt euch zu meinem bescheidenen Haus?“

„Gegrüßt seist du auch, junge Frau. Du hast unseren Söhnen bisher immer die kalte Schulter gezeigt und wir finden, es ist Zeit, dass du dich für einen von ihnen entscheidest und ihn heiratest, so wie es sich für eine Frau gehört“.

„Das mag sein“, sagte sie, „aber ich mag mein Leben so wie es ist und ich möchte niemanden heiraten und niemanden Rechenschaft schuldig sein“.

„Dann müssen wir dich in die Mangfall werfen“, sagen die Alten und „da wirst du ertrinken“.

Die Hexe kreuzte trotzig die Arme. Sie konnte einerseits gut schwimmen und die Mangfall war auch nicht tief, andererseits wollte sie auch nicht ins Wasser geworfen werden, sich die Kleider nass machen und Wasser war auch kalt. Sie war aber auch blitzgescheit und wie gesagt eine richtige Hexe, daher wusste sie, was zu tun war: „Lasst mich in Ruhe damit! Eher kann man die Mangfall dazu bringen, nach München zu fließen, als dass ihr mich zum Heiraten bringen könnt“. Sie überlegten und überlegten, dann grinsten sie. Die Mangfall floss doch seit tausenden von Jahren von Grub nach rechts nach Rosenheim und München war nun mal anderswo und es war nichts zu machen. „Wenn die Mangfall nach München fließen sollte, dann lassen wir dich in Ruhe! Aber wenn das innerhalb eines Jahres nicht passiert, dann musst du tun, was wir wollen!“ sagten sie grimmig und gingen. Aber die Hexe lächelte, weil sie viel unterwegs war und bereits die Männer gesehen hatte, die seit dem vergangenen Jahr Hochbehälter bauten, die das Wasser aus dem Mangfall zu sammeln. Sie verlegten auch unterirdische Wasserleitungen, so dass das Wasser nach München kommen konnte.

Schon seit 1883 bekommen die Münchner reinstes Trinkwasser aus der Mangfall. Und so mussten die Dörfler zugeben, dass das Wasser der Mangfall nun nach München fließt und die Hexe in Ruhe lassen.

(Und manche sagen, dass sie auch ganz nicht alleine bleib: der Müller aus Grub hatte auch eine Tochter und die Hexe hatte diese viel lieber um sich, aber das ist eine ganz andere Geschichte…)

Jahre später, als sie noch einen Versuch starteten, die Hexe zu ärgern, hatte sie nicht mehr so viel Geduld und zeigte ihnen ihre Kräfte nun anders. „Mitte September 1899 wütete ein Hochwasser in der Region. In Grubmühle in der Gemeinde Valley zerstörte die übergelaufene Mangfall Gebäude. Mehr noch: „Von überall her lauten Hiobsposten über die enormen Schädigungen“, schrieb damals der Miesbacher Anzeiger. (Merkur Anzeiger von 05.06.13)“

Und wenn die Hexe nicht gestorben ist, lebt sie immer noch in ihrem Häuschen beim Valley mit ihrer Katze, dem Hund und den anderen Tieren. Und wenn sie gestorben ist, zieht ihr Geist manchmal über die Mangfall und sorgt dafür, dass diese eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf andere unabhängige Seelen ausübt.

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