Jenseits der Angst kann man fast den Himmel berühren

Vor ziemlich genau 3 Monaten stand ich auf einem der spektakulärsten Aussichtspunkte Norwegens: Kjerag, den eingeklemmten Stein, Tausend Meter über dem türkisblauen Lysefjord. Alle, die mein Foto dort gesehen haben, finden es stark. Das ist richtig, aber die Wahrheit ist gar nicht so simpel. Auf diesem Stein zu gehen und dort zu stehen ist gar nicht so schwierig, wenn man es bis dorthin geschafft hat (zumindest, wenn man keine Höhenangst hat). Wahre Stärke braucht es, um dorthin zu kommen. Es gibt keine Seilbahn nach Kjerag. Die Wanderung dauert fünf Stunden und es geht zuerst steil nach oben. Und dann steil und rutschig nach unten. Und dann wieder steil nach oben und wieder steil nach unten. Und wieder nach oben. Nach einer Weile auf dem Hochplateau auf dem Fjord kommt man an eine enge Stelle, an der auch an einem heißen Sommertag noch Schnee liegt und es ist ziemlich rutschig. Wenn diese Stelle auch bewältigt ist, steht man am Rande der Welt und muss nur noch die letzten Schritte auf den Stein gehen. Auf dem Stein zu stehen ist wunderschön aber nicht mehr das Wesentliche (wenn auch die meisten Außenstehenden nur das sehen).

Was hat diese Wanderung mit der Gründung eines Unternehmens zu tun?

Ziemlich viel. Ein Unternehmen zu gründen sieht für Außenstehende spektakulär aus, wenn man es dorthin geschafft hat und auf der Spitze steht. Was man nicht sieht, ist wie steil und beschwerlich es bis dorthin ist, wie viele Höhen und Tiefen dazwischen liegen und wie viel Schweiß und Tränen (vor Frust aber auch vor Freude) unterwegs fließen. Manche Menschen halten mich für wahnsinnig, so etwas überhaupt zu versuchen. Das sind diejenigen, die gerne in ihrem Liegestuhl sitzen bleiben und das ist auch völlig in Ordnung. Manche Menschen (zum Glück wenige) reden mir ein, dass so ein Berg nichts für mich ist und ich soll ja nicht dran denken, ich wäre was Besonderes und könnte das. Diese Menschen würden vermutlich auch ihren Berg besteigen, trauen sich aber nicht und daher versuchen sie, mich daran zu hindern. Das werde ich nicht zulassen.

Es gibt aber richtig viele Menschen, die am Wegesrand stehen, mir eine Hand oder ein Schluck Wasser reichen, einfach nach Möglichkeit helfen, sei es nur mit einem offenen Ohr, Rat oder einer kleinen Tat, die im richtigen Moment unglaublich viel zählt. Es gibt auch einige wenige, die zeitweise mit mir mitkommen. Den Berg muss natürlich jede/r für sich alleine besteigen, aber es ist toll, das nicht alleine zu machen. Und dann gibt es vielleicht noch jemand, der sich das alles anschaut, mich machen lässt und mich vielleicht wieder rauszieht, sollte ich in eine Felsspalte rutschen. Ich hoffe das sehr.

Ich habe irgendwo gelesen: „Starting a business is like starting a love affair“. Und was wäre eine Liebesaffäre ohne Herzklopfen, Hoffnung und Angst. Wenn diese aber zu groß wird, hilft es, sich daran zu erinnern, wohin man will.

8 Antworten auf „Jenseits der Angst kann man fast den Himmel berühren“

  1. Seht schön beschrieben, wie die Stimmungen auf dem Weg zum Ziel sich immer wieder wandeln. Auch sehr treffend, wie gut Unterstützung am Wegesrand ist. Ich wünsche dir noch viel Erfolg.
    Schon der Weg ist EIN Ziel 🙂
    Ingrid

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