Summer moved in

Als Gott*in Bayern als die Vorstufe zum Paradies erschuf, dachte er oder sie auch an Menschen wie mich: ungläubig, nicht in Bayern integriert und liebt radeln vor allem im Flachland. Daher ist die bayerische Landschaft oft wie in Ammer-Loisach-Hügelland im südlichsten Landkreis Oberbayerns: anstrengend und nichtsdestotrotz, wunderschön.

Murnau ist eine nette Kleinstadt mit einem Radgeschäft das Radlstadl heißt, einem Park mit vielen Blumen, Cafés, aber vor allem Zugang zu einem netten kleinen See: der Staffelsee, 4,6 km lang und 3,7 km breit. In der Nähe lebten früher Künstler*innen wie Kandinsky, Gabriele Münter und Franz Marc. Wegen der bläulichen Lichtstimmung nannte er die Gegend „das blaue Land“. Heute ist vor allem der Himmel sehr blau, bei fast 30 Grad im April.

Der Weg um den See ist nur ein wenig länger als 20 km. Vom Ortszentrum bis zum See geht steil bergab. Heute ist Sonntag und soweit ich es einschätzen kann, ist ganz Oberbayern heute hier (wobei es vermutlich am Starnberger See oder Ammersee nicht anders aussieht). Der Pfad nahe am See „über Stock und über Stein“ ist relativ eng und es gibt viel Verkehr und Gegenverkehr.

Die Landschaft um den See ist wahrlich bezaubernd. Im Naturschutzgebiet rechts vom weg wachsen kleine struppige Pflanzen. In Uffing gibt es ein leckeres Eiscafé, dann geht es bald wieder nach Murnau, das letzte Stück bergauf schiebend. Auf einer Parkbank überlegen wir, ob wir einen weiteren See in der Nähe umrunden wollen oder uns ein Platz im Biergarten suchen. Zum Glück entscheiden wir uns für die erste Variante und fahren noch um den nahe gelegenen und noch kleineren Rieger See. Hier ist viel weniger los, der Weg erstreckt sich fast menschenleer vor unseren Rädern. Die Ortschaft Froschhausen hat einen wirklich passenden Namen: ein Chor von hunderten oder tausenden von Fröschen singt sehr laut und fröhlich als wir vorbeiradeln. In Egling sieht es wie in einem Freilichtmuseum aus, inklusive Großfamilie in Trachten rund um einen großen Tisch im Garten. Löwenzahnblumen leuchten wie Goldmünzen über die hellgrüne Wiese.

 

Als ich einmal anhalte, um einige Fotos zu machen, schiebt sich eine löchrige Wolke vor der Sonne und einige Strahlen kommen durch wie Finger Gottes. Der oder die selbige, von dem weiter oben die Rede war, und der oder die auch die Hügel drum herum erschaffen hat, um vor allem Leute wie mich beim Radeln ins Schwitzen zu bringen.

 

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