Über die Nordseestraße nach Stavanger und Preikestollen

Wir holen das Auto ab und fahren entlang der Südküste, von einem weißen Küstenstädtchen zu dem nächsten. Irgendwie sind sie alle hübsch und könnten genauso gut in Italien oder Kroatien liegen. 
In Kristiansand übernachten wir in einem privaten Appartement und beim Einchecken versuche ich, mich auf Norwegisch zu verständigen. Alles nicht so einfach. Die Gastgeberin will unbedingt Deutsch lernen (ihr Deutsch ist deutlich besser als mein Norwegisch…) und so führen wir einen fröhlichen Dialog in drei Sprachen. Später gibt es am Hafen noch Linsencurry und ich bin geneigt, meine Meinung zum norwegischen Essen zu revidieren.

Am morgen geht es dann weiter auf der Nordeseestraße, den Nordjoveien (Straße 44). Sonne und Meer, aber auch ein Vorgeschmack an das Fjordnorwegen sind geboten. Nachdem wir den Leuchtturm (Lyndesness Fyr) inklusive Katakomben am norwegischen Südkap hinter uns lassen, schlängeln wir uns auf der Serpentinenstraße  und dann runter, das im Reiseführer als das kleine Trollstingen beschrieben wird.

Die Landschaft ist tatsächlich die Mühe Wert: hier sieht es fast so aus wie das “wahre” Norwegen, was gleichzeitig stimmt, und nicht stimmt. Es stimmt, weil es schon in etwa so wie am Fjord aussieht. Und stimmt nicht, weil Norwegen so viel mehr zu bieten hat als Fjell und Fjord. Nach Egersund ändert sich die Landschaft. In Jaeren wird es flach und Kühe grasen auf der Weide. Das Wetter ist die ganze Zeit unglaublich gut.
Unsere Unterkunft in Stavanger heißt Bed, Books und Breakfast. Sieht echt hyggelig (hübsch) aus, mit einer großen Bibliothek und hellen Einrichtung. Auch hier werden wir sehr freundlich empfangen und ich kann meine 20 Worte Norwegisch wieder benutzen. Das Problem ist, dass ich die meistens langen Antworten nicht einwandfrei verstehe (untertrieben gesagt).
Abends bleibt unglaublich lange hell.
Am morgen fahren wir mit Fähre und Bus zu Preikestollen. Es liegt noch ein Schleier aus Wolken über der Gegend, was ich toll finde, weil Norwegen in meinem Kopf nicht so sonnig ist.
Zu Preikestollen wurde viel geschrieben (hier ein Bericht über eine Nachtwanderung, die deutlich empfehlenswerter ist als am Tag). Täglich gehen tausende von Tourist*innen diese Strecke. Und so kommt es, dass wir mit einer fröhlich singenden Frauengruppe, Menschen aus vermutlich ein Dutzend asiatischen Ländern, aus USA und ganz Europa wandern. Als wir ungefähr die Hälfte der Strecke hinter uns haben, gewinnt die Sonne den Kampf gegen die Wolken.
Oben angekommen schaue ich ehrfürchtig 604 Meter in den tiefblauen Lysefjord und die Sicht ist unglaublich. Das ist sicher eins der Bilder, die mich im nächsten Jahr verfolgen wird und mich hierher zurück treiben wird.
Zurück geht es anfangs auf dem etwas steiler aber viel ruhigeren Hill Trail, bevor wir wieder in das Meer an Menschen eintauchen.
Abends gibt es Kichererbsen mit Spinat und Kokosmilch  (selbstgekocht), Dosenbier für etwa 5 € aus dem Supermarkt, und die Gewissheit, dass der norwegische Sonnenbrand mindestens so schlimm wie der englische ist. Möglicherweise noch schlimmer.
Am Tag danach spazieren wir durch die wunderschöne Altstadt von Stavanger mit unzähligen Touristen vom Kreuzfahrtschiff Norwegian Jade.
Ich laufe später alleine durch einem Wohngebiet mit riesigen Häusern, so wie es sich für die reichste Stadt des reichsten Land der Welt gehört.
Am Stokavatn haben sich vermutlich alle Wasservögel Norwegens gesammelt.
Später geht es zurück in die Stadt und zum Oljemuseum, das Ölmuseum im Hafen, und ich lerne eine Menge über die Geschichte des Öls in Norwegen. Das Thema wird nicht unkritisch behandelt. Es wird auch über Unfälle und Rückschläge berichtet. Und auch das Dillema Klimaschutz versus Wohlstand wird thematisiert. Der Wert des norwegischen Staatsfonds hat so viele Ziffern dass ich den Begriff dafür nicht mal kenne.
In den Stunden, die ich im Museum verbringe, fliegt Deutschland aus der Fußball WM raus und Schweden kommt weiter. Einige Fans in gelben Trikots laufen unaufgeregt durch die Stadt.
Am Hafen ist Party und ein Gratiskonzert und die Stimmung ist fantastisch entspannt unter der strahlenden Sonne, die auf weiße Boote, weiße Häuser und blaues Meer scheint.

 

 

 

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