C2C Tag 4: Von Richmond nach Oaktree Hills: fast wie zu Hause, inklusive Sonnenbrand

Am Morgen will ich meinen Blogpost erstellen aber der Blog ist nicht erreichbar. Ich schiebe etwas Panik, habe ich ihn etwa kaputt gemacht? (ich bin nur mit Handy unterwegs und es ist gar nicht so trivial, alles zu schreiben und zu posten). Eine Mail an den Provider klärt die Sachlage, die Störung ist dort. Na dann, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich analog auf dem Weg in den heutige Tag zu machen. 21 Grad und keine Wolke am Himmel sind für heute angekündigt. Mich erwarten relativ flache 27 km (am Ende wurden es 29 km).

Bevor ich Richmond verlasse, gehe ich noch einkaufen. In Coop gibt es 8 (acht!) Sorten Humus (ich kaufe nur eine), Obst (leider unnötig im Plastik verpackt) und einiges mehr.
Ich habe gestern im Schaufenster bei Second Hand eine rote Shorts gesehen, ich probiere sie an, sie ist zwei Nummern zu groß und auf einmal fühle ich mich schlank. Daneben hängt eine blaue, die zwei Nummern zu klein ist und auf einmal fühle ich mich dick. Ich verlasse den Laden und die Stadt ohne Shorts aber mit der Frage, warum die Größe der Klamotten überhaupt mein Körperbefinden beeinflusst.

Es geht an der Kläranlage und am Swale vorbei. Heute verlasse ich den Fluss irgendwann, der mich nun einige Tage begleitet hat. Es sieht hier wie in den Isarauen aus, nur deutlich weniger Menschen.

Ich frage mich, wo alle geblieben sind. Auch wenn einige, wie Kathleen, einen Tag Pause in Richmond einlegen, müssten doch andere Leute unterwegs sein.
Bis zum Ende des Tages treffe ich tatsächlich nur zwei Paare, die ich von gestern kenne. Ein Wanderer mit leichtem Gepäck und einer Karte um den Hals zieht mit schnellen Schritten an mir vorbei. Ich folge ihm, er scheint zu wissen, wohin es geht und prompt sind wir beide falsch und landen in einer Sackgasse. Ich ärgere mich, dass ich mich nicht auf mich selber verlasse. Dann gibt es eine Umleitung von 1,7 km. Die Erweiterung der A1 hätte Ende 2016 oder Anfang 2017 fertig sein sollen, ich laufe auch in Mai 2018 außen rum. Ich lebe im Land des Berliner Flughafens (ganz zu schweigen von anderen Projekten) daher rege ich mich nicht auf.

In Brompton on Swale gibt es eine typische Kirche mit Friedhof und einem Stall.

Eine Kuh muht sehr laut, sie schreit regelrecht. Auch den Schafen scheint es nicht allzu gut zu gehen. Ich kenne mich nicht damit aus aber ich bin nicht wirklich überzeugt, dass diese Tiere es gut haben.

 

 

Der Weg zieht sich ewig an grünen oder rapsgelben Wiesen vorbei. Es sieht aus wie im Augsburger Land. Ab und an einige Tiere, aber so gut wie keine Menschen sind zu sehen.

Ausnahme: eine Gruppe von drei Personen, vermutlich Eltern (um die 60) und der Sohn (um die 30). Die Eltern sind deutlich schneller als der Sohn und keine*r von Ihnen ist geneigt, sich mit mir zu unterhalten.

Ein ganz junges Pferd verfolgt mich auf einer Wiese, mag vermutlich einen der Äpfel aus meinem Rucksack.

In Danby Wiske gehe ich wehmütig an dem Pub vorbei. Hatte ursprünglich dort gebucht, aber mich dann entschieden den morgigen Tag etwas zu verkürzen, also muss ich weitere vier km gehen. Mein Rücken tut weh und ich ärgere mich, dass ich so viel zu essen eingekauft habe. Es steht dort auch, dass es noch 60 Meilen bis an mein Ziel sind. Eine Rechnung im Kopf ergibt, dass die nächsten Tage deutlich länger sein werden. Das wusste ich auch so…

Am Ende geht es an der Straße entlang, durch tiefes Gras, zur Lovesome Hill Farm, einem schönen und ruhigen Ort mit einem Garten wie gemalt.

Mary, die Gastgeberin, empfängt mich ganz herzlich. Sie freut sich, dass ich aus München komme, hat dort in der Nähe eine Tochter. Das Dorf Dingharting in Süden Münchens ist winzig, aber ich kenne es tatsächlich von meinen Wanderungen. Es ist eine schöne Gegend mit Blick auf den Alpen. Ich habe einen Sonnenbrand, mir gruselt etwas von den über 30 km und vielen Steigungen morgen, und frage mich während ich meinem Humus löffle, wenn auch nur für eine halbe Sekunde, warum ich nicht zu Hause geblieben bin. Die Wahrheit ist, dieses Land hier kann so wunderschön sein!

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